Primär biliäre Cholangitis (PBC)

Die primär biliäre Cholangitis gehört zu den seltenen sogenannten autoimmunen Leberkrankheiten. Häufiger sind es Frauen, die davon betroffen sind. Durch gezielte Therapien entwickelt sich heute bei zwei Drittel der Betroffenen keine Zirrhose mehr.

Die PBC beginnt mit der Entzündung der kleinen Gallenwege in der Leber. Längerfristig können so die Gallengänge zerstört werden und zu einer zunehmenden Vernarbung der Leber (Fibrose) führen.

Therapie

Im Labor zeigt sich vorwiegend eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase und im fortgeschrittenen Stadium auch des Bilirubins, was sich in einer Gelbverfärbung der Haut (Ikterus) zeigen kann. Zur Therapie der primär biliären Cholangitis wird das Medikament Ursodeoxycholsäure angewendet. Ursodeoxycholsäure ist eine Gallensäure, die mit der körpereigenen Gallensäure praktisch identisch ist und somit kaum Nebenwirkungen zeigt. Mit Bezafibrat oder Obeticholsäure sind zurzeit neue Therapieansätze seit 2018 in der Schweiz zugelassen.

Symptome

Zu den Symptomen gehören Müdigkeit, Juckreiz und Gelenkschmerzen. Den Symptomen, die bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt sind, kann mit entsprechenden Massnahmen entgegnet werden.

Um den Umgang mit Müdigkeit zu erleichtern, können Entspannungsübungen, sportliche Aktivität und Schlafhygiene zu einer Verbesserung des Wohlbefindens führen. Auch das Optimieren des Flüssigkeitshaushalts und der Vitaminzufuhr sind Möglichkeiten.

Tritt das häufige Symptom Juckreiz auf, gibt es Medikamente, wie zum Beispiel Cholestyramin, Rifampicin oder die Opioid-Antagonisten Naltrexon/Nalmefen.

Es kommt vor, dass Osteoporose, trockene Schleimhäute der Augen, Mund und Intimbereich sowie unruhige Beine beim Liegen (Restless Legs) im Zusammenhang mit PBC auftreten.

Diagnose

Besteht ein Verdacht auf PBC, werden die Blutwerte der anti-mitochondrialen Antikörper (AMA) und der alkalischen Phosphatase (AP) gemessen. Fallen beide Werte erhöht aus (AMA + AP), gehen die Ärzte mit einiger Sicherheit von einer PBC-Erkrankung aus.

Andere erhöhte Leberwerte (wie beispielsweise erhöhte Gamma-GT, Bilirubin, GOT und GPT- Werte) können gleichfalls PBC anzeigen, bleiben aber weniger aussagekräftig für einen genauen Befund.

Für eine Diagnose ist eine Leberpunktion nicht unbedingt nötig. Bei unspezifischen Fällen hilft eine Gewebeuntersuchung unter dem Mikroskop. Die Biopsie zeigt die typischen Schädigungen einer PBC-Entzündung der Gallengänge und Leber auf.

Ursachen

Zuerst werden die Gallengänge und dann die gesamte Leber vom eigenen Immunsystem angegriffen. Warum eine PBC tatsächlich ausbricht, ist noch ungeklärt. Vermutungen gehen in die Richtung einer genetischen Veranlagung. Diese braucht einen oft zufälligen Auslöser für einen ersten Ausbruch, wie zum Beispiel Giftstoffe oder Infektionen.

Behandlung

Zur Therapie verwendet man meist Ursodeoxycholsäure (UDCA) in Form von Tabletten. PBC kann nicht geheilt werden, daher ist es erforderlich die Tabletten lebenslang einzunehmen. Besonders im Frühstadium sind die Medikamente wirkungsvoll, verlangsamen den Krankheitsverlauf oder bringen ihn sogar zum Stillstand. Im Spätstadium eingesetzt sind die Medikamente nicht gleichermassen vielversprechend.

Ob bei alleiniger PBC zusätzlich verabreichte Immunsuppressiva nützen, wird inzwischen angezweifelt. Bei einem Overlapsyndrom, wie z.B. PBS mit Autoimmunhepatitis, wirkt die Therapieform unterstützend.

PBC wird nicht durch Alkoholkonsum hervorgerufen. Wie aber bei jeder chronischen Lebererkrankung, so auch bei PBC, sollte auf Alkohol und Nikotin grundsätzlich verzichtet werden.

Seit 2018 zugelassen, gibt es eine weitere Tablette mit Obeticholsäure (OCA), die mit Ursodeosycholsäure kombiniert werden kann, wenn diese allein noch nicht die gewünschte Wirkung zeigt oder nicht vertragen wird. OCA kann auch alleine als Therapie eingesetzt werden. Unerwünschte Nebenwirkungen sind Juckreiz und erhöhtes Cholesterin. Ist bereits eine fortgeschrittene Leberzirrhose vorhanden muss OCA dringend niedrig dosiert werden, weil die Verstoffwechslung in dem Fall bereits eingeschränkt ist und so das Medikament schnell zu einer Überdosierung und Komplikationen wie z.B. Leberversagen führen kann.

Aktuell werden weitere Substanzen für PBC in Studien untersucht, welche künftig als Ergänzung oder Ersatz der Ursodeoxycholsäure in Frage kommen. Fibrate wie z.B. Bezafibrat sind bereits seit langem als Fettsenker zugelassen, jedoch nicht für die PBC. Studien zufolge können Fibrate ebenfalls die Wirksamkeit von UDCA verbessern und wirken zudem gegen Juckreiz. Mögliche Nebenwirkungen von Fibraten umfassen erhöhte Leberwerte oder Störungen der Nierenfunktion.

Sollte eine Lebertransplantation notwendig sein, bleiben die AMA-Antikörper im Blut bestehen. Die Lebererkrankung kommt jedoch in etwa drei Viertel der Fälle zur Ruhe. Bei etwa einem Viertel bis Drittel der Patienten kommt es auch im neuen Organ wieder zu PBC-typischen Schäden.