Hepatitis C

Diese Form von Leberentzündung wird durch das Hepatitis-C-Virus (HCV) ausgelöst. In 20-50% der Fälle heilt die Hepatitis C bei einer Neuinfektion, d.h. wenn sie akut ist, von selbst aus. Chronisch wird sie in 50-80% der Fälle. Unbehandelt kommt es bei 2-20% der Betroffenen nach 20 Jahren und bei 15-30% nach 30 Jahren zur Entwicklung einer Leberzirrhose. Bei Vorliegen einer Leberzirrhose besteht ein Risiko, Leberkrebs zu entwickeln. Mit den heute verfügbaren Medikamenten kann die chronische Hepatitis C gut geheilt werden.

Infektionswege

Die Ansteckung erfolgt über infiziertes Blut. Besonders gross ist das Risiko, sich mit HCV zu infizieren bei Drogenusern, wenn Spritzbesteck gemeinsam benutzt wird. Medizinisches Personal ist gefährdet bei Nadelstichverletzungen. Mit unsterilem Material vorgenommene Tätowierungen oder Piercings stellen ebenfalls ein Risiko dar. Im Haushalt sollte man, als Sicherheitsvorkehrung, keine scharfkantigen Gegenstände wie Rasierklingen oder Zahnbürsten mit einem HCV-Infizierten gemeinsam benutzen.

Sich beim Geschlechtsverkehr anzustecken ist sehr selten. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht hingegen während der Menstruation, bei gleichzeitiger HIV-Infektion sowie bei verletzungsträchtigen Sexualpraktiken (z.B. ungeschützter Analverkehr, Fisting oder BDSM).

Das Risiko, ihr Neugeborenes anzustecken, besteht bei einer Frau mit chronischer Hepatitis C zu 5%.

Bluttransfusionen, die vor 1991 gemacht wurden, wurden noch nicht auf HCV getestet und waren deshalb ein Ansteckungsrisiko, das heute aber eliminiert ist.

Kein Ansteckungsrisiko besteht bei Alltagskontakten. Über Tröpfchen (beim Husten oder Niesen) wird HCV nicht übertragen und auch nicht bei Körperkontakt wie Händeschütteln oder Umarmen. Selbst das Trinken aus demselben Glas oder Flasche ist unbedenklich.

Symptome

Symptome sind oftmals unspezifisch, wenn überhaupt welche auftreten. Zu den möglichen Symptomen gehören Müdigkeit, leichte Übelkeit, heller Stuhl, dunkler Urin, grippeähnliche Symptome oder Fieber. Bei ausgeprägteren Verläufen einer akuten Hepatitis C können sich die Augen oder Haut gelblich verfärben. Wie sich die Symptome im Zirrhosestadium äussern, finden Sie unter «Zirrhose».

Bei Menschen mit einer chronischen Hepatitis C können (müssen aber nicht) auch andere Begleiterscheinungen auftreten, die sich ausserhalb der Leber manifestieren. Hier spricht man von «extrahepatischen Manifestationen». Darunter fallen Komplikationen wie Erkrankungen der Nieren, Gelenk- und Muskelbeschwerden sowie andere Beschwerden.

Hat die Virusmenge einen Einfluss darauf, wie der Verlauf der Hepatitis C aussieht?
Im Gegensatz zu anderen Hepatitis-Viren wie HBV, trägt bei einer HCV die sogenannte Viruslast (HCV-RNA) nicht dazu bei, den Verlauf zu prägen. Es wird vermutet, dass die Leberzellen durch die Immunreaktion auf das Virus beschädigt werden und im Allgemeinen nicht direkt durch das HCV.

Diagnose

Nach einer Inkubationszeit von 3-12 Wochen sind zwar erhöhte Leberwerte und HCV-Antikörper (anti-HCV) im Blut messbar, doch bleibt die Inkubationszeit häufig symptomfrei. Bei positiven anti-HCV wird zur Bestätigung einer HCV-Infektion ein Test des Erbmaterials des Virus (HCV-RNA) durchgeführt, der sogenannte PCR-Test.

Um die möglichen Resultate eines PCR-Test verständlich zu machen, sind hier die Interpretationen aufgeführt:
Ist die HCV-RNA positiv, hat man Hepatitis C.
Ist die HCV-RNA negativ und nur der Antikörpertest positiv, liegt eine ausgeheilte Hepatitis C vor.

Behandlung

Inzwischen gibt es Medikamente, die eine Hepatitis C in den meisten Fällen heilen. Zur Erfassung des Therapieerfolges wird die Viruslast gemessen (Menge der Hepatitis C Viren im Blut). Als geheilt wird die Hepatitis C eingestuft, wenn der PCR-Test 12 Wochen nach Therapieende negativ ausfällt.

Die neuen Medikamente basieren auf DAAs (direct acting antivirals, direkt wirkende antivirale Substanzen), den sog. Protease-, NS5A- und Polymerase-Hemmern. Die DAAs blockieren direkt die Vermehrung des HCV. Die Medikamente sind in Form von Tabletten einmal täglich einzunehmen. Aktuell sind in der Schweiz Kombinationen von Medikamenten verfügbar, die zu einer Viruselimination in mehr als 95% der Fälle führen. Zwei Präparate werden in der Regel benutzt: entweder Epclusa (eine Kombination von Velpatasvir und Sofosbuvir) eine Tablette täglich für 3 Monate oder Maviret (eine Kombination von Glecaprevir und Pibrentasvir) drei Tabletten täglich für 2 Monate. Die wenigen Patienten, bei denen die Therapie erfolglos bleibt, können mit Vosevi behandelt werden (einer Kombination von Voxilaprevir, Velpatasvir und Sofosbuvir).

Hepatitis C (HCV): Interview mit Prof. Dr. med. Darius Moradpour

Hepatitis C (HCV): Interview mit Prof. Dr. med. Darius Moradpour

«Was ist ein Hepatitis C Virus (HCV)?» Prof. Moradpour führt uns professionell von der Entdeckung des HCV, über die schweren Folgen der Erkrankung zu der intensiven Forschung, bis hin zur erfolgreichen Medikamententherapie mit Tabletten. Mit frühzeitiger Behandlung liegt die Heilungschance heute bei über 95%. Weitere Informationen:https://www.swisshepa.org/lebererkrankungen/hepatitis-c-hcv/

Hepatitis C (HCV): Referat von Prof. Dr. med. Darius Moradpour

Hepatitis C (HCV): Referat von Prof. Dr. med. Darius Moradpour

«Ist Hepatitis C heute heilbar?» Als Spezialist von HCV präsentiert uns Prof. Moradpour fachkundig Wissen, Erkrankungsstadien, die grossartigen Fortschritte in der Forschung und die gute Vernetzung schweiz- und weltweit zu dieser Lebererkrankung. Eine erfolgreiche Medikamententherapie mit Tabletten kann heute über 95% der Patienten heilen. Weitere Informationen:https://www.swisshepa.org/lebererkrankungen/hepatitis-c-hcv/

Hepatitis C (HCV): Animationsvideo

Hepatitis C (HCV): Animationsvideo

«Was ist ein Hepatitis C Virus?» In diesem Animationsfilm wird klar und verständlich der Mechanismus von Hepatitis C Virus erklärt und wie man sich davor schützen kann. Heute gibt es zum grossen Glück Medikamente, die Hepatitis C fast immer heilen können. Weitere Informationen:https://www.swisshepa.org/lebererkrankungen/hepatitis-c-hcv/

Swiss Medical Forum - Titelbild

Nachsorge nach erfolgreicher Hepatitis-C-Therapie

Die Virushepatitiden B und C haben im letzten Jahrzehnt an Aufmerksamkeit gewonnen, denn sie gehören zu den wichtigsten infektionsbedingten Todes­ursachen weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat strategische Ziele definiert, nämlich eine Reduktion von Neuinfektionen um 90%, sowie eine Abnahme der hepatitisbedingten Mortalität um 65% bis ins Jahr 2030.