SGG 2026 – Begegnungen, Wandel und Brücken
Wie seit vielen Jahren durfte Swiss HePa auch 2026 mit einem eigenen Stand an der SGG präsent sein. Gabriele Kaufmann organisiert und begleitet den Kongress mit viel Herzblut. In diesem Jahr leider zum letzten Mal.
Die Standing Ovation am Galadinner hat eindrücklich gezeigt, wie viel «Gabi» für die SGG und für uns alle geleistet hat. Dafür möchte auch ich ihr von Herzen Danke sagen.
Seit Jahren werde ich an unserem Stand von zwei ehrenamtlichen Assistentinnen unterstützt. Beide leben seit jungen Jahren mit einer chronischen Erkrankung und tragen einen grossen persönlichen Rucksack. Trotzdem schenken sie Swiss HePa einen Teil ihrer durch die Erkrankung begrenzten Zeit und Kraft, ihre wertvollen Erfahrungen – und ihr Lächeln.
Auch sie möchten wahrgenommen werden: mit einem freundlichen Blick, einem kurzen «Grüezi» oder einem Lächeln zurück. Wir alle brauchen solche kleinen Zeichen der Wertschätzung. Oft genügt ein kurzer Moment echter Aufmerksamkeit, damit sich ein Mensch gesehen fühlt.
Für mich ist die SGG deshalb weit mehr als ein medizinischer Fachkongress oder eine Gelegenheit, das Programm des Schweizer Lebertags zu verteilen. Sie bietet mir die seltene Chance, persönlich mit Menschen ins Gespräch zu kommen, denen ich im Alltag aus zeitlichen, finanziellen oder anderen Gründen kaum begegnen kann.
An der SGG treffen Studierende, Ärzteschaft, Pflegefachpersonen, Forschende, Wissenschaft, Spitalleitungen, Behörden, Politik, Industrie und Patientenorganisationen aufeinander – manche mit mehreren Hüten, Rollen und Aufgaben. Diese Begegnungen schaffen Verständnis und verbinden unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven.
Dabei wird auch sichtbar, was medizinische Fachpersonen täglich leisten: Patientinnen und Patienten untersuchen, behandeln und begleiten, Visiten und Sprechstunden führen, schwierige Entscheidungen treffen, Studien aufbauen und betreuen, forschen, lehren, publizieren, Nachwuchskräfte fördern, Teams führen und zahlreiche administrative sowie regulatorische Aufgaben erfüllen. Dass viele von ihnen trotzdem offen für Fragen und persönliche Gespräche bleiben, beeindruckt mich immer wieder – Wow!
Mein besonderer Dank gilt allen Ärztinnen, Ärzten und Fachpersonen, die sich zusätzlich in den wissenschaftlichen Beiräten von Patientenorganisationen engagieren. Trotz knapper Zeit stehen sie am Schweizer Lebertag als Referierende zur Verfügung, beantworten Fragen in Interviews oder vermitteln ihr Wissen in unseren digitalen Talks «Nachgefragt» verständlich an Betroffene und Angehörige. Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich – und für uns von unschätzbarem Wert.
Unsere Zeit ist im Wandel: medizinisch, wissenschaftlich, gesellschaftlich und gesundheitspolitisch – national wie international. Gerade bei seltenen und chronischen Erkrankungen sowie bei Krebs braucht es sichtbare Brücken zwischen Medizin, Pflege, Forschung, Spitälern, Behörden, Politik, Industrie und Patientenorganisationen.
Swiss HePa informiert über 36 Leberthemen, darunter 17 seltene Lebererkrankungen. Rund um die Leber greifen zahlreiche Bereiche ineinander: Hepatologie, Gastroenterologie und Darmgesundheit, Onkologie, Transplantationsmedizin, Chirurgie, Radiologie, Pathologie, Psychologie, Ernährungsberatung und weitere Disziplinen. Das zeigt, wie unverzichtbar interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein starkes Netzwerk auf Augenhöhe sind.
Noch fehlt manchmal die selbstverständliche Brücke zu den Patientinnen und Patienten sowie ihren Organisationen. Dabei bringen gerade sie die Lebensrealität mit einer Erkrankung ein: Erfahrungen, Bedürfnisse, Hürden, Symptome und Folgen, die in Studien, Sprechstunden oder medizinischen Berichten nicht vollständig sichtbar werden.
Für die nächste SGG – wenn ich wieder dabei sein darf – wünsche ich mir deshalb für uns alle dieselbe Offenheit und Wertschätzung: keine verstohlenen Blicke, sondern aufrichtigen Augenkontakt, ein freundliches Lächeln und ehrliche Anerkennung.
Denn die Arbeit von Patientenorganisationen beginnt häufig dann, wenn andere ihren Arbeitstag bereits beendet haben. Ich selbst bin ehrenamtlich über unsere Hotline an 365 Tagen im Jahr erreichbar – auch abends oder nachts.
Menschen melden sich nach einer Schockdiagnose, mit Ängsten vor einer Therapie, Fragen zu einer Zweitmeinung oder wegen belastender Symptome und Nebenwirkungen. Sie erzählen von Veränderungen im Alltag, in Partnerschaft und Familie, von Einsamkeit, beruflichen Einschränkungen, Arbeitsplatzverlust oder finanziellen Sorgen. Sie brauchen Orientierung im Umgang mit SVA oder IV – oder einfach einen Menschen, der zuhört, versteht und bleibt, bis sie in ihrer neuen Lebenssituation wieder eigenen Halt gefunden haben.
Diese weitgehend unbezahlte und oft unsichtbare Arbeit schliesst eine entscheidende Lücke zwischen Medizin und Lebensrealität.
Wir können den Wandel vielleicht nicht immer beschleunigen – aber gemeinsam können wir ihn besser gestalten.
Miteinander sprechen. Einander wahrnehmen. Zuhören. Voneinander lernen. Wissen, Erfahrung, Hoffnung und Menschlichkeit verbinden.
Denn mein Leitsatz bleibt:
Gemeinsam sind wir stark.






