Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis)
Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist ein Parasit, der normalerweise Füchse und andere Tiere wie Hunde und Katzen (Hauptwirte) befällt. Er ist etwa 2–7 mm gross. Die Eier des Bandwurms werden mit dem Kot der Hauptwirte ausgeschieden und von kleinen Nagetieren, meist Mäusen (Zwischenwirte), oder selten von Menschen (Fehlwirte) aufgenommen.
Im Darm der Zwischen- oder Fehlwirte entwickeln sich aus den Eiern Larven, die über den Blutweg in die Leber oder andere Organe gelangen und sich dort zu Finnen (Larvenstadien) entwickeln. Im Inneren dieser Finnen entstehen Kopfanlagen (Protoskolizes). Wird eine infizierte Maus von einem Fuchs oder einem Hund oder einer Katze gefressen, entwickeln sich aus den Kopfanlagen im Dünndarm des Hauptwirtes erwachsene Bandwürmer – der Kreislauf schliesst sich.
Der Mensch infiziert sich über Eier, die mit dem Kot von infizierten Füchsen oder Hunden ausgeschieden werden. Diese Eier können an Nahrungsmitteln wie Gemüse, Beeren, Pilzen, Fallobst oder Bärlauch haften. Auch der Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Fell – etwa, wenn sich ein Hund im Kot gewälzt hat – oder mit verschmutztem Schuhwerk kann zur Übertragung führen. Die mikroskopisch kleinen Eier sind mit blossem Auge nicht sichtbar. Menschen mit einer Fuchsbandwurm-Infektion sind nicht ansteckend.
Häufigkeit und Risikofaktoren
Infektionen mit dem Fuchsbandwurm sind selten, auch wenn in den letzten Jahren in der Schweiz ein deutlicher Anstieg der Neudiagnosen beobachtet wurde. Zu den Risikofaktoren zählen landwirtschaftliche Tätigkeiten, das Leben in ländlichen Regionen, Gartenarbeit, der Verzehr von ungewaschenem Gemüse und Beeren sowie enger Kontakt zu Hunden.
Mit der Eliminierung der Tollwut – die die Fuchspopulation stark dezimiert hatte – ist die Zahl der Füchse wieder deutlich angestiegen. Zudem haben sich ihre Reviere zunehmend in Agglomerationen und Städte ausgedehnt. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung stieg auch die Zahl der Fuchsbandwurm-Infektionen beim Menschen in der Schweiz, Österreich und Deutschland deutlich an. In der Schweiz werden jährlich etwa 40–50 neue Fälle registriert.
Vorbeugung
Gründliches Waschen von Händen, Beeren, Gemüse und Pilzen sowie das Erhitzen von gesammelten Lebensmitteln bieten den wirksamsten Schutz vor einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm. Auch die regelmässige Entwurmung von Hunden – insbesondere, wenn sie Mäuse jagen – sowie das Fernhalten von Füchsen von Hausabfällen tragen zur Risikominimierung bei.
Symptome
Beim Menschen befallen die Larven meist die Leber, seltener andere Organe. Die daraus entstehende Erkrankung wird alveoläre Echinokokkose genannt. Die Larven zerstören das Lebergewebe ähnlich wie ein bösartiger Tumor.
Die Krankheit kann über Jahre unentdeckt bleiben – oft dauert es 10–15 Jahre bis Symptome auftreten. Zu Beginn sind die Beschwerden unspezifisch, etwa Oberbauchschmerzen oder später Gelbsucht. Häufig wird die Erkrankung zufällig im Rahmen einer Ultraschall- oder anderen bildgebenden Untersuchung entdeckt.
Unbehandelt verläuft die alveoläre Echinokokkose tödlich. Heute kann sie jedoch chirurgisch und medikamentös behandelt werden (siehe unten).
Diagnose
Die Diagnose ist anspruchsvoll und erfolgt mittels eines Ultraschalls, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRI) sowie durch spezielle Laboruntersuchungen, zum Beispiel Nachweisen von Antikörpern gegen den Erreger.
Behandlung
Eine vollständige Heilung ist nur durch operative Entfernung des befallenen Gewebes möglich – dies jedoch nur im frühen Krankheitsstadium. Nach dem Eingriff erfolgt eine mindestens zweijährige medikamentöse Nachbehandlung, um einen Rückfall zu verhindern.
Bei inoperablen Fällen verbessert eine medikamentöse Therapie mit Benzimidazolen (Wurmmitteln), meist Albendazol, die Prognose deutlich. Diese Medikamente töten den Parasiten nicht ab, hemmen aber sein Wachstum, sodass die Krankheit nicht weiter fortschreitet. In der Regel muss die Behandlung lebenslang fortgeführt werden.
Da die Medikamente im ganzen Körper wirken, können Nebenwirkungen auftreten, etwa eine Verminderung der weissen Blutkörperchen, Haarausfall oder erhöhte Leberwerte.